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Bäckerjungensage

Die Andernacher Bäckerjungen

Die Annenacher BäckerjungeAndernach mit seinem wunderschönen historischen Stadtkern hat zwei Schlüssel in seinem Wappen. Verantwortlich dafür sind zwei Bäckerjungen, Döres und Fränzje, denen man im prächtigen Andernacher Rheintor ein Denkmal in Stein gesetzt hat, weil Sie durch ihre mutige Tat Andernach vor einem Überfall bewahrten.

Dies geschah zu einer Zeit, als der Erzbischof von Köln das Recht zur Erhebung des Rheinzolls, die wichtigste Einnahmequelle der Städte am Rhein, von Linz nach Andernach zurückverlegt hatte. Auch damals schon hatten die Andernacher den Spitznamen „Siebenschläfer“, da sie gerne ausgiebig feierten und anschließend bis in den späten Morgen ausschliefen – was sie noch heute gerne tun. Das wussten auch die Linzer, die über den Verlust des Rheinzolles verständlicherweise sehr verärgert waren und auf Rache sannen.

Da hatte ein Linzer eine Idee: „Die Andernacher feiern gerne bis in die Nacht rein unBäckerjungen im Rheintord kommen
morgens nicht aus den Federn. Wie wär´s, wenn wir sie nach einem Fest in den frühen Morgenstunden überfallen und vernichten?“ Für diesem Vorschlag waren die Linzer sofort Feuer und Flamme. Und so fuhren die Linzer Krieger eines Abends, als die Andernacher wieder eines ihrer berühmten Feste feierten, mit ihren Booten rheinaufwärts, bewaffnet mit Feuer und Schwert. Mitten in der Nacht legten die kriegerischen Linzer im Schutz der Dunkelheit am Andernacher Rheinufer an, um beim ersten Morgenlicht die Stadt zu stürmen.

Während die Andernacher nach ihrer Feier so tief wie die Siebenschläfer schliefen, waren die beiden Bäckerjungen Fränzje und Döres bereits auf den Beinen, um Brötchen auszutragen. Als sie fertig waren meinte Döres: „Du Fränzje, was können wir noch anstellen?“. „Gehen wir doch einfach mal auf den Wehrgang der Stadtmauer am Rheintor, da fällt uns schon was ein“. Und tatsächlich: Sie entdeckten eine Batterie von Bienenkörben, die der Wächter am Rheintor aufgestellt hatte, weil dies für die nützlichen Insekten der beste Platz war.
„Genau das Richtige für uns! Brötchen mit Honig, das ist doch eine feine Sache. Was meinst Du, Döres?“ Kaum gesagt, kletterte Fränzje bereits die Stadtmauer hinauf. „Und dann kleben wir denen die Fluglöcher zu. Dann wundert der Wächter sich, warum die Bienen heute nicht fliegen“, meinte Döres. Fränzje, dem gleich noch weitere Streiche in den Sinn kamen und bereits wieder runter von der Stadtmauer war, um Lehm zu holen, fügte dem hinzu: „Und dem Wächter binden wir am Rheintor noch die Tür zu“. Bäckerjugensage - Illustration von Gerda Laufenberg

Als das alles erledigt war, schauten sie nachdenklich von der Stadtmauer aus in Richtung Rhein, von wo aus der Morgennebel in die Stadt zog. „Fränzje, was war das?“, fragte Döres aufgeregt, „das klingt, als wenn Eisen auf Steine stößt, und hörst Du auch die Stimmen?“ „Ja, Döres, aber was ist da nur auf einmal los?“ Die beiden Bäckerjungen lauschten weiter und versuchten mit ihren Augen den sich lichtenden Nebel zu durchdringen. Schon nach kurzer Zeit konnten die Bäckerjungen Männer erkennen, die mit Schwertern, langen Stangen, Hellebarden und Rammböcken gegen die Stadtbefestigung vorrückten. Deutlich blinkten ihre Helme und Waffen in der sich durch die Nebelschwaden bahnbrechende Sonne. Schritte von festen Stiefeln und Kommandofetzen wie „Rammbock nach vorne“, „zieht die Schwerter“, oder „fertig machen zum Angriff“ waren zu hören. Eine Doppelreihe der feindlichen Krieger rückte mit einem schweren Balken, der eine starke Eisenspitze hatte, gegen das Stadttor vor. „Andernach wird überfallen. Lauf schnell in die Stadt Döres und wecke die Bürger  auf“, rief Fränzje außer sich. „Das ist zu spät Fränzje. Bis dahin haben die das Rheintor schon eingerammt. Schau Dir das an…“ In der Tat waren die Angreifer  vor dem großen Stadttor mit ihrem Rammbock startbereit zum Anlauf. „Wenn wir doch nur was auf die werfen könnten….“, meinte Fränzje. „Da, schnell, die Bienen“, rief Döres. Und schon flogen die ersten Bienenkörbe auf die vorderen Männer mit dem Rammbock. Das war so heftig, dass die vordersten Angreifer nach hinten fielen und auch die nachfolgenden Männer umgerissen wurden. So bohrte sich die Eisenspitze des Rammbocks statt ins Andernacher Rheintor dumpf in die Erde. „Das hat gesessen“, freute sich Döres, „komm´, wir machen weiter“. Als dann aber einige Bienenkörbe aufgeplatzt waren, stürzten sich die ansonsten friedlichen Tierchen, nun aber in ihrer Nachtruhe gestört, wütend und wild um sich stechend auf die Linzer. Die hatten sich gerade von dem ersten Schreck erholt und wollten erneut mit den Balken gegen das Rheintor rennen. Doch zahlreiche Angreifer waren von den Bienen schon gestochen worden. Selbst Helme und Rüstungen schützten sie nicht, denn die Bienen drangen durch alle Spalten ein und stachen zu. Das war selbst den tapfersten Kriegern zu viel. Die meisten warfen ihre Waffen weg, um zumindest ihr Gesicht vor den immer wütender werdenden Bienenschwärmen zu schützen. Völlig außer sich liefen die Linzer zum Rheinufer, um Schutz in ihren Booten zu finden, oder sich einfach ins kalte Wasser des Rheins zu stürzen, nur um die Qualen los zu sein.Bäckerjungenbrunnen auf dem historischen Marktplatz

Als die beiden Bäckerjungen das sahen, sprangen sie von der Stadtmauer und spurteten schnell die Rheinstraße hoch, um oben am Rathaus die Sturmglocke zu läuten. Das war so laut, dass es selbst die „Siebenschläfer“ aufweckte. Die Andernacher rannten mit Geschrei aus ihren Häusern, um mit Waffen alle Tore und Mauern zu besetzen, so wie der Rat es verordnet hatte. Doch dieser Einsatz war fast überflüssig, denn die Linzer hatten die Nase voll und flüchteten vor den Bienen und den Andernachern in ihren Booten rheinabwärts. Nach dieser Erfahrung hatten die Linzer auch später keine Lust mehr die Andernacher noch einmal anzugreifen und überließen ihnen von da an den Rheinzoll.

Fränzje und Döres  – die beiden „Schutzengel“ von Andernach –  bekamen zum Dank ein Denkmal gesetzt und seit dieser Zeit wird Andernach zu ihren Ehren auch  Bäckerjungenstadt genannt. Wer die Bäckerjungen mal live erleben will, wird im Rahmen eines "Bäckerjungenempfangs" von Fränzje und Döres begrüßt, bekommt einen "Bäckerjungenorden" verliehen und lernt im Anschluß die Stadt in Begleitung eines Stadtführers kennen. Anmeldung und Reservierung bei Andernach.net unter 0 26 32 - 29 84 11.

Zudem kann das Bäckerjungenspiel sowie das Begleitbuch zur Verspielung der Sage in unserem Shop erworben werden.

Andernach ist auch Station im Rheinischen Sagenweg. Die Region rund um Rhein, Mosel, Lahn und
Nahe ist bekannt für ihre vielen Sagen und Geschichten. Sie sind etwas zum Träumen und Nacherleben. Rheinischer Sagenweg
Zudem beruhen sie auf realen Begebenheiten, enthalten Wahrheiten, die bis heute Bestand haben und spiegeln die kulturellen und gesellschaftlichen Eigenheiten der Zeit und der Gegend ihrer Entstehung wider. Bereits vor 200 Jahren haben Maler und Dichter der Romantik diese Region mit Ihren wunderschönen Landschaften und reizvollen Orten entdeckt und sich von den zahlreichen Sagen und Geschichten inspirieren lassen.

Es ist daher kein Wunder, dass diese Sagen und Geschichten über die Jahrhunderte seit ihrer Entstehung nichts von ihrer Faszination verloren haben und sich die Menschen seitdem auf die Reise
zu den Spuren der vielen Sagen und Geschichten begeben. Wir laden auch Sie sehr herzlich zu einer
Reise entlang des „Rheinischen Sagenweg“ ein und wünschen Ihnen dabei viel Vergnügen!

 

 
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